* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt



TÜÜDÜÜÜH!!!

* mehr
     ein wintermärchen...
     dies und das ... und jenes
     *Regen und Schwärze
     *Gewitternacht
     literatur
     *rave

* Links
     Kleines Julchen
     SynonyMensch
     Sue No.2
     Sheena
     Mandy
     Tabbü
     Ihsan
     Sissy
     Sue
     Elli
     Liv
     Eli


tüd-tüd-tüd-tüüh!





einige könnten das vielleicht schon kennen.. der beweis, das auch mal was gutes bei deutsch-aufsätzen rumkommen kann (und sogar ausnahmsweise ne gute note)

Regen und Schwärze (Kurzgeschichte)

Regen. Das Geräusch des stetigen Regens, der auf die Straße, die Welt um sie herum und auf sie selbst fällt, begleitet sie den ganzen, langen Weg nah Hause, doch sie nimmt ihn kaum wahr. Es ist Nacht, um sie herum ist nichts, als Einsamkeit, Schwärze und das Geräusch des Regens.
Sie fühlt sich berauscht. Gedanken und Gefühle sind komplett auf einen Punkt gerichtet, auf eine Person. Sie geht die dunkle Straße entlang, eine Melodie in ihrem Kopf begleitet sie, und lässt die vergangenen Stunden noch einmal Revue passieren..
Sie war zu ihm gegangen, ihre heimliche große Liebe schon für lange Zeit. Sie war überglücklich, als sie sich endlich näher kennen lernten. Schon Stunden vor ihrem Treffen hatte sie sich fertig gemacht, Unterwäsche und Kleid in ihrem recht kindlichen Zimmer fein säuberlich zurechtgelegt, sich angezogen, dezent geschminkt und sich danach lang im Spiegel betrachtet. Dann ging sie los, lief ungefähr eine halbe Stunde durch die Kleinstadt und kam schließlich endlich bei ihm an. Ihr Herz raste und sie zitterte vor Glück, als er sie in den Arm nahm und sanft küsste und die Welt versankt im Traum. Der Kuss durchflutete sie, machte sie leicht, schwerelos, ließ sie schweben., es war ihr erster. Was danach geschah, verging für sie, wie im Flug, aber es müssen Stunden gewesen sein. Sie erinnerte sich, dass seine Küsse heftiger, leidenschaftlicher wurden, erinnerte sich an sein Zimmer, das Bett, seine Leidenschaft, der Geruch des Schweißes und des Samens, der in der Luft lag, das gedämpfte Licht. Sie erinnerte sich auch an das Bild: er über ihr, sein Gesicht verzerrt vor Lust, aber sie verdrängte die Erinnerung an den Schmerz, der Gedanke an ihn machte es leichter. Alles ging sehr schnell, zu schnell für sie, doch trotzdem fand sie es schön. Die pubertäre Naivität des Mädchens ließ die Wirklichkeit verschwimmen. „Er begehrt mich, er will mich , er hat mit mir geschlafen, also liebt er mich auch. Er liebt mich, bestimmt sogar.“
Kurz danach war sie wieder von diesem Ort verschwunden. Er sagte, er hatte noch etwas Wichtiges vor, und das konnte sie natürlich verstehen. Also gab sie ihm zum Abschied einen letzten Kuss und ging.
Da ist wieder das Geräusch des Regens, es kehrt in ihre Erinnerung zurück. Sie blickt zu Boden und kann die Sterne sehen, die auf der nassen Straße vor ihr tanzen. Sie fühlt sich so unendlich glücklich, glücklich endlich jemanden gefunden zu haben, der sie liebt, denn sie hatte nie viel Liebe in ihrem Leben erfahren. Sie realisiert nicht, was gerade geschehen ist, was mit ihr gemacht wurde. Blind vor Liebe kann sie es nicht sehen. „Wir lieben uns, der Altersunterschied ist da unbedeutend. Sollen sie doch alle reden, wenn wir Hand in Hand durch die Stadt gehen, mir ist es egal!“ Den Rest des Weges bis nach Hause malte sie sich ihre rosarote, zuckersüße Zukunft mit ihm aus. Sie stellte sich vor, wie er sie immer von der Schule abholt und sie dann den Rest des Tages gemeinsam verbringen. “Wir werden ein hübsches, glückliches Paar sein, werden immer zusammenbleiben.“
Sie schließt die Tür auf und geht hinein. Alles läuft ganz automatisch ab. Sie schaltet das Licht an und betrachtet sich im großen Wandspiegel, der im Flur hängt, wie schon Stunden zuvor, doch das, was sie sieht, hat sich verändert:
Ihr Kleid ist vollkommen durchnässt und erknittert, ihre Haare sind wild zerzaust und die Schminke läuft ihr in dicken schwarzen Schlieren das Gesicht hinab. Nun sieht sie schrecklich aus, kein Vergleich zu dem bildhübschen, jungen Mädchen, dass sie vor vier Stunden aus dem Spiegel heraus angeblickt hat, und auch ihr Gesichtsausdruck hat sich verändert. Das Strahlen der unschuldigen blauen Augen ist verschwunden und eine gewisse Traurigkeit liegt wie ein schwarzer Schleier in ihrem Blick. Sie bemerkt das alles nicht und doch lässt ihre blinde Seeligkeit langsam nach. Sie geht in das Bad und wäscht sich das Gesicht, dann geht sie im Dunkeln nach oben, zieht sich um und legt sich zu Bett, während ihre Zufriedenheit weiterhin langsam weicht.
Ihr Blick haftet an der Decke des Zimmers, sie denkt lange nach. Doch diesmal gehen ihre Gedanken in eine andere Richtung und das Lächeln verschwindet langsam von ihrem Gesicht. „Was ist nun... wenn er mich nur ausgenutzt hat?“ Tränen rinnen ihre Wange hinab. Sie vergräbt sich in Decke und Kopfkissen ihres Bettes und weint immerzu. Wiederum ist sie nicht in der Lage klar zu denken, doch diesmal nicht vor Zufriedenheit und schierem Glück, sondern vor Zweifel und Schmerz, der sie plötzlich überfällt. Sie kauert sich zusammen und schließt die Augen – Schwärze, das Geräusch des Regens.




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung